KI-Tool klont Open-Source-Code ohne Lizenz
Ein Tool namens Malus.sh verspricht, Open-Source-Software von ihren Lizenzen zu befreien. Per Clean-Room-Verfahren erstellt die KI funktionale Klone — und beruft sich dabei auf ein US-Urheberrechtsgesetz von 1879.
Wie das funktioniert
Malus nutzt ein klassisches Prinzip aus der Software-Industrie: den Clean-Room-Klon. Die KI analysiert nicht den Quellcode direkt, sondern die Funktionalität eines Programms. Dann schreibt sie eine eigene Implementierung von Grund auf neu.
Die rechtliche Grundlage? Ein amerikanisches Copyright-Gesetz aus dem 19. Jahrhundert. Das besagt im Kern: Funktionen und Ideen sind nicht schützbar, nur deren konkrete Umsetzung.
Was das bedeutet
Das ist ein direkter Angriff auf das Copyleft-Prinzip. GPL, AGPL, alle viralen Lizenzen leben davon, dass abgeleitete Werke unter derselben Lizenz stehen müssen. Wenn eine KI den Code komplett neu schreibt, greift diese Kette theoretisch nicht mehr.
✅ Pro
- Unternehmen könnten GPL-Software nutzen, ohne eigenen Code offenlegen zu müssen
- Clean-Room-Klone sind ein anerkanntes Verfahren — IBM gegen Compaq lief genauso
- Automatisiert einen Prozess, der bisher Monate dauerte
❌ Con
- Rechtlich auf extrem dünnem Eis — kein Gericht hat KI-generierte Clean-Room-Klone beurteilt
- Zerstört das Ökosystem, das Open Source am Leben hält
- Ein Gesetz von 1879 auf KI-Code anzuwenden ist juristisches Wunschdenken
Der Elefant im Raum
Die Open-Source-Community lebt vom Geben und Nehmen. Firmen nutzen freien Code, dafür geben sie Verbesserungen zurück. Malus bricht diesen Kreislauf. Das Tool sagt im Grunde: Danke für die Innovation, wir nehmen die Funktion und schulden euch nichts.
Ob das legal ist, wird erst ein Richter klären. Ob es klug ist — eine andere Frage.